Jede Region hat ihre Highlights: Spots, deren
Bekanntheitsgrad die der anderen überstrahlt und die unter Tauchern das
Dauerthema in den örtlichen Basen darstellen - und in Safaga dreht sich
fast alles um das Panorama Riff.
„Wann fahren wir denn dahin? Gibt´s da Haie? Wie tief ist es denn
dort?“ Kaum ein Guide, der sich an eine Woche ohne diese Fragen
erinnern kann. Einige Tauchspots halten, was der Ruf verspricht, bei
anderen fragt man sich, auf was dieser wohl begründet gewesen sein mag
und bei der dritten Gruppe hat der gute Ruf über die Jahre hinaus das
Riff ruiniert.
Und das Panorama Riff? Man kann sehen, was den Platz so
bekannt hat werden lassen: Die senkrechten Steilwände, der schöne
Bewuchs, das immer noch recht hohe Fischaufkommen.
Die
absoluten Highlights sind allerdings verschwunden – Haibegegnungen sind
eher zufällig statt planbar und die ehemals großen Tunfischschwärme
werden immer kleiner bzw. lassen sich nur noch recht selten blicken.
Dennoch ist das Panorama Riff einen oder auch mehrere Besuche wert; in
der Region um Safaga zählt es nach wie vor zu den Topspots.
Von
Safaga aus erreicht man das Panorama Riff meist innerhalb von 60
Minuten. Gemeinsam mit Abu Kafan und Hal-Hal ist es eines der 3 großen
Außenriffe, rund 15km von der Küste entfernt. Aus Tiefen von über 300
Metern steigt das Riff bis an die Wasseroberfläche empor. Auf seiner
Nordostspitze steht ein nachts weithin sichtbares Leuchtfeuer. Meist
ankern die Tauchschiffe über dem südwestlichen Plateau oder direkt an
der Westseite, da man dort am besten vor den von Nord nach Süd
laufenden Wellen geschützt ist. Weil das Riff recht lang ist, kann man
es in drei verschiedene Tauchplätze unterteilen: Die Westseite, die
Ostseite und das Südplateau. Bei den beiden erstgenannten Varianten
beginnt man den Tauchgang an der Nordspitze und lässt sich dann, mit
dem Riff an der linken oder rechten Schulterseite, nach Süden treiben,
wobei einem gerade auf der Ostseite die Strömung häufig zu Gute kommt.
Gerade hier wartet Steilwandtauchen vom Feinsten auf die Besucher; die
Wand fällt dort annähernd senkrecht ab, bevor sie mit dem tiefen Blau
verschwimmt.
Tauchgang am Panorama Riff
Sowohl die Ost- wie auch die Westwand sind vom Norden her nur als Drift-Tauchgang zu machen, wahlweise vom Zodiak oder
vom langsam fahrenden Tauchboot aus. Will man die östliche Seite
erkunden, bleibt das Riff auf der rechten Schulterseite, während der
Blick immer wieder ins Freiwasser schwenken sollte: Ab und zu lassen
sich hier Haie sehen, Adlerrochen schweben vorbei und selbst Mantas
wurden schon beobachtet. Sich mit der Strömung langsam treibend lassen,
freut man sich ob der Fülle des Korallenbewuchses. Auch wenn das
Panorama Riff schon recht lange und häufig betaucht wird, so hat die
Unterwasserflora an dieser Stelle noch immer beeindruckendes zu bieten
– sie erreicht zwar nicht ganz das Niveau von Elphinstone, ist aber
deutlich besser als bei vergleichbaren Riffen dieser Region. Zahlreiche
Riffbarsche, Muränen und Schnapper begleiten den Tauchgang, durch das
Freiwasser streifen Makrelenschwärme. Gerade dort, wo sich
Weichkorallen befinden, stoßen Taucher immer wieder auf Schildkröten,
denen diese als Nahrung dienen. Das auf 25 Meter liegende Südplateau
kündigt das Ende des Tauchganges an, spätestens dort sollte man in
flachere Regionen aufsteigen und sich nach dem Napoleon-Lippfisch
umschauen, der hier zu Hause ist.
Etwas anders sieht es auf der
gegenüberliegenden Westseite aus: Begegnungen mit Großfischen sind
seltener, Strömungen sind, sofern überhaupt vorhanden, deutlich
schwächer ausgeprägt. Direkt am Übergang zwischen Nord- und Westseite
findet sich in 20 Meter Tiefe ein schmales Plateau, auf dem sich neben
Korallengärten Anemonenfische, Haremsbarsche und Juwelen-Zackenbarsche
tummeln. An der Kante des Plateaus fällt das Riff dann steil bis in
große Tiefen ab. Der Bereich zwischen 15 und 30 Meter hat auch auf dem
weiteren Weg Richtung Süden am meisten zu bieten: In der zerklüfteten
Wand schauen Muränen neugierig aus kleinen Höhlen und Durchbrüchen.
Papageifische, kleinere Barakudas und große Schwärme Rotmeerfüsiliere
begleiten den Tauchgang, bis man das Plateau im Süden vor Augen hat,
über dem die Tauchboote dann ankern.
Eine besonders für
weniger erfahrene Taucher geeignete Variante stellt der Tauchgang vom
ankernden Tauchboot aus dar, direkt hinab auf das in 22 bis 25 Meter
Tiefe liegende Südplateau. Es führt vom Riff weg in Richtung Südosten,
fällt dabei langsam bis auf 30 Meter ab und wird immer schmaler, je
weiter man sich dem Ende nähert. Die Strömung hat hier meist all ihre
Kraft verloren, die Konzentration kann sich neben den tauchrelevanten
Abläufen auf erkundigen und beobachten beschränken. In der Mitte des
Plateaus findet sich ein ebenso großer wie auch schöner Erg, der knapp
14 Meter in die Höhe ragt und rundum fantastisch bewachsen ist. An ihm
tummelt sich alles Kleine, was das Rote Meer zu bieten hat: Glasfische,
Korallen aller Art, Harems- und Fahnenbarsche, Schnapper,
Nacktschnecken – der Entdeckerlust sind kaum Grenzen gesetzt. Auf den
Sandflächen drum herum finden sich Krokodilsfische und Blaupunktrochen,
selbst ruhende Weißspitzenriffhaie wurden schon gesichtet. Oftmals wird
das Panorama Riff für zwei Tauchgänge angefahren; nach der
adrenalinfördernden Steilwand ist das Südplateau dann ein fast
perfekter Platz zum relaxen, staunen, suchen, finden und genießen.
Wer
nach dem Besuch des Panorama Riff freudestrahlend die Leiter des
Tauchbootes erklimmt, wem das Riff so richtig gut gefallen hat, der
sollte an der Basis den nächsten Trip nach Abu Kafan anfragen: Nicht so
bekannt und groß wie das Panorama Riff, bietet es trotzdem ganz
ähnliche Tauchgänge – nur häufig mit deutlich weniger Tauchern vor Ort.
Und in manchen Situationen kann weniger auch deutlich mehr sein.